Goldene Hochzeit

So war es einst: ein sonnenhelles Glück, im Herzen junger Liebe süßes Beben, die Wangen frisch, die Augen voller Glanz und vor sich noch das ganze reiche Leben. Bräutlich geschmückt mit blühnder Myrten Grün, trat sie ihm wie ein holder Traum entgegen, in seine Hände fortan ihr Geschick, all ihre junge Seeligkeit zu legen; all ihre Liebe – und die Zeit verrann – manch Silberfädchen stahl sich leis, ganz leise in blonder Haare lichtes Goldgelock, und sanft verklang die frohe Jugendweise . . . Wohl wärmt das Glück und schürt der Liebe Glut, doch Leiden läutern – einst stählt sich am andern – der Sommer schwand – längst zog der Herbst ins Land – und doch, und doch – es war ein seelig wandern, ein seelig Wandern bis zu diesem Tag, treu...

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Die Liebe wenn sie neu

Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein junger Wein. Je mehr sie alt undklar, je stiller wird sie sein. Angelius Silesius

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Zu einer goldnen Hochzeit

Schweift der Geist zurück in jene Tage Alter Zeiten, Schön’res er nicht findet, Als das Schicksal, welches eine Sage Uns von Philemon und Baucis kündet. Treuerprobt im Glücke und im Leide, Wuchs ihr Leben so in Eins zusammen, Dass – damit der Tod sie niemals scheide, Ließ ein Gott aus ihnen Bäume stammen, Deren Zweige unauflöslich breiten Sich zum Schattendache, und ein Tempel Werden vielen Paaren, die voll Freuden Nehmen dran ein liebendes Exempel. Und mir däucht, es sei in diesem Paare Philemon und Baucis neu erstanden - Silberhell erglänzen ihre Haare, Golden ihrer Treue feste Banden. Treuerprobt im Glücke und im Leide, Wuchs ihr Leben ganz in Eins zusammen, Doch ein mild’rer Gott noch ließ für Beide Höh’re Freude,...

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Zur silbernen Hochzeitsfeier

Es hat seine eigenste Sprache der Traum, Oftmals versteht sie der Träumende kaum. Doch manche Träume sind allverständlich, In ihrer Deutung Jedwedem kenntlich; So will’s zum Beispiel Hochzeit bedeuten, In allen Ländern, bei allen Leuten, Wenn man im Traume Feuer sieht Das hellauflockernd ‘gen Himmel zieht. Ich sah Hamburg im Traume brennen, Mochte vor allen ein Haus erkennen, Aus dessen Gluthen Klagesang Wehmuthsvoll mir zum Herzen drang. Er kam nicht aus menschlichen Seelen, Denn es klagten viel’ Blumenseelen, Zogen um ein Herbarium, Welches verbrannte, wimmernd herum; Sangen im Chor: “Wir flüchtige Geister, Waren gebannt durch unsern Meister An getrockneter Leiber Gruft. Mangelten uns gleich Licht und Luft, Athmeten wir doch Reste...

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So vor fünfundzwanzig Jahren

So vor fünfundzwanzig Jahren standet ihr am Traualtar. Under der Zukunft Tage waren euch und anderen noch nicht klar. Aber heut’ im Freundeskreise schaut ihr zurück auf eure Reise; für das Ziel, das nicht mehr Schein, stehen Kind und Enkel ein Franz Grillparzer | 1791 – 1872

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